Vernetzt und zugenäht – Verantwortungsvoller Umgang mit Technik

Im Sommer 2018 vermeldete die Stanford-Universität, dass sie eine neue Initiative zu „Ethik, Gesellschaft und Technologie“ plane. Nachgedacht werden soll dort über Ethik im Zusammenhang mit neuen Technologien. Der Grund: Die oftmals dramatischen Folgen von Fake News, Hasskampagnen und Manipulationen in sozialen Netzwerken und der Einfluss auf die öffentliche Meinungsbildung.

Vielleicht wäre diese Einsicht etwas früher sinnvoll gewesen. Etliche Protagonisten, wie beispielsweise der Napster-Gründer und ehemalige Facebook-Berater Sean Parker, Apple-CEO Tim Cook und der frühere Google-Produkt-Philosoph Tristan Harris, machen bereits schon länger auf die problematische Entwicklung in den Sozialen Netzwerken aufmerksam.

Harris ist mittlerweile als „soziales Gewissen“ des Silicon Valley bekannt und gründete zuerst die Organisation „Time well spent“ und später das „Center for Humane Technology“, welches ein Umdenken bei der Technologieentwicklung hin zu einer stärkeren Ausrichtung nach menschlichen Bedürfnissen fördern soll.

Das ständige um die Wette blinken, vibrieren und klingeln bei Smartphones mit Facebook, Instagram, YouTube und Snapchat ist laut Harris genauso gefährlich wie Zigaretten. Meiner Meinung nach ist die Abhängigkeit der Nutzer von ihren Geräten und Apps eines der großen Probleme der Gegenwart und kann bis zu einer Rückbildung des menschlichen Gehirns führen. Schlussendlich besteht die Gefahr, dass der falsche Umgang mit den neuen Medien zu einer Schädigung zwischenmenschlicher Beziehungen und – im Zusammenhang mit Thema Fake-News – demokratischer Prozesse führt. Vielleicht begannen deshalb auch vor Jahren hochrangige Tech-Mitarbeiter im Silicon Valley, ihre Kinder auf Waldorf-Schulen zu schicken, an denen es keine Computer gibt.

Jede neue Technologie versetzt Eltern in Sorge um ihre Kinder – egal, ob es das Radio oder das Fernsehen war. Aktuell wiederholt sich das bekannte Muster – allerdings berechtigter als zuvor – bei Smartphones und Tablets. Die Herausforderungen, die die digitale Evolution mit sich bringt, sind vielfältiger als frühere Entwicklungen. Die Frage, die sich deshalb stellt, ist: Lassen wir als Befürworter aufgeklärter und demokratischer Gesellschaften dies einfach so passieren, oder steuern wir mit Hilfe von Initiativen und dem Einbau der Thematik im Unterricht gezielt dagegen?