Vernetzt und zugenäht – Verhältnis Politik und Digitalisierung

Vernetzt und zugenäht

Immer wenn ein Politiker von Digitalisierung spricht, stürzt irgendwo ein Windows 95 Rechner ab.

Natürlich können wir uns immer wieder über gut gemeinte Bemühungen von Politikern rund um das Thema Digitalisierung amüsieren. Und unter uns: Zwischendurch macht es auch Spaß.

Kein Spaß ist aber das tatsächliche Versäumnis, den gut gemeinten Worten auch Taten folgen zu lassen. Immer öfter frage ich mich deshalb: Kann Politik in diesem Zusammenhang mehr als nur belanglose Phrasen aneinanderreihen?

Seit 2008 wird der Digitalisierung im Regierungsprogramm in Österreich Platz gegeben. Seit 2017 sogar unter einem eigenständigen Punkt. Bisher wurde dabei der Fokus auf die ebenfalls notwendige Infrastruktur gelegt. Mittlerweile ist als Begleitmaßnahme auch die dringend erforderliche Ausbildung von Fachkräften und Investitionen in dazugehörige Forschungseinrichtungen enthalten.

Hochqualifizierte Fachkräfte im Informations- und Kommunikationstechnologiesektor sind das Rückgrat der Digitalisierung. Hier hätte man aber wesentlich früher anfangen müssen, um Innovations-Leader zu werden. Laut dem IT-Fachverband fehlen aktuell mehr als 5.000 Fachkräfte für IT-Jobs in Österreich. Bis 2020 wird laut EU-Kommission europaweit sogar mit einer Lücke von rund einer Million IT-Arbeitskräften gerechnet. Aber nicht nur im Bildungsbereich muss Österreich einen Innovationssprint hinlegen, um mit anderen IT-Nationen mitzuhalten.

Derzeit gibt es zahlreiche Länder, die im Digitalisierungsranking des Fraunhofer Institutes besser abschneiden als Österreich. U.a. Finnland, Dänemark, die Schweiz, u.v.m. sind bereits auf einem besseren Weg. Das fängt beim Glasfaserausbau als Grundlage für die 5G Technologie an (Studie CMG-AE: Österreich belegt europaweit letzten Platz) und endet beim Cloud-Computing, dessen Nutzung in Österreich weniger verbreitet ist als im Durchschnitt der Industrieländer.

Was wäre jetzt zu tun? Die digitale Evolution muss von einer Bildungsrevolution begleitet werden. Nur wer jetzt aktiv in Ausbildung und Infrastruktur investiert und Pioniere fördert, wird als Innovation-Leader künftig international bestand haben und so nachhaltig Beschäftigung und Wohlstand schaffen.

Ein weiterer Ansatz wäre, ein staatliches Beraternetzwek aufzubauen. Diese Berater sollten, mittels Digitalisierungsscheck, Unternehmen staatlich gefördert zur Verfügung gestellt werden, um ihnen die digitale Herausforderung zu ermöglichen.

Mit der kürzlich präsentierten „Digitalen Agenda“ könnte Vorarlberg hier verlorenes Terrain wieder gut machen. Lassen wir uns überraschen, ob die Politik dieser Herausforderung gewachsen ist.

 

Markus Hannes Winter ist Serienunternehmer und digitalisiert mit Webcad.com weltmarktführende Unternehmen. In der Kolumne „Vernetzt und zugenäht“ veröffentlicht er jeden 2. Sonntag Gedanken rund um das Thema Digitalisierung.

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