Das Nokia-Schicksal verhindern

Es ist bekannt als einer der größten Fehler der Wirtschaftsgeschichte: 1974 baute der junge Kodak-Ingenieur Steve Sasson die erste Digitalkamera der Welt. Der Konzern sah in der Digitalfotografie aber keine Bedrohung und verwarf die Idee.

Einer der fatalsten ökonomischen Fehler der Geschichte, welcher außerdem dazu beitrug, dass der weltgrößte Fotokonzern von der technologischen Revolution überrollt wurde.

40 Jahre später meldete Kodak Insolvenz an und ist seither nur noch ein Schatten seiner selbst – obwohl jede moderne Digitalkamera auf das Ur-Patent des Kodak-Ingenieurs zurückgeht.

Anderes Beispiel? Nach der Jahrtausendwende war Nokia der unumstrittene Leader am Mobilfunkmarkt. Das Unternehmen, welches vor rund 150 Jahres als Papierhersteller begann und zwischenzeitlich Gummistiefel verkaufte, entwickelte sich laufend weiter und wurde zum dominierenden Handy-Produzenten.

2007 erschien Apples iPhone auf dem Markt. Apps und Touchscreens waren plötzlich im Trend. Nokias Vormachtstellung schmolz dahin und der Konzern rutschte in die Bedeutungslosigkeit.

Nokia hat den Smartphone-Boom einfach verschlafen. Zwar haben die Finnen schon früh internetfähige Mobiltelefone auf den Markt gebracht, doch gegen das iPhone-Konzept der intuitiven Benutzerführung und berührungsempfindlichen Bildschirme wehrte sich Nokia zu lange. Hinzu kamen asiatische Hersteller, die auf Apple-Konzept setzten und Nokia noch weiter verdrängten. Während also Apple und Co. die Handy-Revolution auf dem Smartphone-Markt vorantrieben, produzierte Nokia – bis zu seinem endgültigen Scheitern und der Übernahme der Mobilfunksparte durch Microsoft – weiterhin Tastatur-Handys.

Doch was können Unternehmen in der Zeit des digitalen Wandels machen, damit sie keinen Kodak- oder Nokia-Moment erleben?

Klar ist: Die Digitalisierung ist mittlerweile im Mittelstand angekommen. Zumindest in der Bewusstseinsbildung. Aber sie ist kein Pauschal-Programm, das allen Unternehmen einfach übergestülpt werden kann. Viele Unternehmen stehen hier erst am Anfang. Der erste Schritt erfordert Kreativität, gute Ideen und richtige Partner. Ein strategischer Einsatz neuer Technologien bei gewissen Prozessen kann hier bereits viel bewirken.

Mittelfristig werden die größten Gewinner jedoch jene sein, die die primären Geschäftsprozesse bedenken und die Digitalisierung und ihre Möglichkeiten taktisch einsetzen – entsprechende durchdachte Geschäftsmodelle selbstverständlich inklusive. Denn: Produkte, vor allem digitale, sind wesentlich leichter zu kopieren als Geschäftsmodelle. Gute Geschäftsmodelle kombiniert mit entsprechender Software können daher nachhaltiger für bessere Umsätze sorgen und Kundenbindung erhöhen.