Organisation neu denken

Zwei von drei Arbeitnehmern leisten nach einer Gallup-Studie Dienst nach Vorschrift, jeder siebte hat innerlich bereits gekündigt. Seit mehreren Jahren zeichnen unterschiedlichste Befragungen ein trauriges Bild der Unzufriedenheit der Angestellten mit ihrer Arbeit.

Gerade aufgrund der digitalen Transformation vieler Arbeitsprozesse gibt es spürbare Veränderungen in der Organisation vieler Unternehmen, die sich auch auf die Motivation der Mitarbeiter auswirkt. Denn nicht nur bei der Digitalisierung der Arbeitswelt bewegt sich etwas sondern auch im organisatorischen Aufbau von Unternehmen.

Vorreiter neuer Organisationsformen mit hoher Mitarbeitermotivation kommen oftmals von jungen Unternehmen und Start-Ups. Doch nicht nur. Der ehemalige Unternehmensberater Frédéric Laloux untersuchte zwölf Organisationen unterschiedlichster Größe, Alters und Branchen, die neue Ansätze der Unternehmensorganisation implementiert haben. Als Grundlage hat er zuerst die Merkmale geläufiger Formen definiert:

  1. Tribal: Machtausübung gegenüber Untergebenen
  2. Traditionell: Stark autoritäre Organisation, Aufbau: hierarchische Pyramide
  3. Modern: Konkurrenz, Expansion und Profite dominieren, Innovation ist wichtig
  4. Postmodern: Ebenfalls klassische Pyramidenhierarchie, jedoch stehen gemeinsame Werte im Vordergrund. Die wichtigsten Interessensgruppen werden eingebunden

Laloux skizziert nach der Analyse der zwölf erfolgreichen Unternehmen eine grundlegende und neue Form der Organisation, die sehr gut an eine technisch veränderte, digitale Welt passt. Als bildlicher Vergleich für diese Organisationen nennt er den lebendigen Organismus mit all seiner Komplexität. Diese “organischen” Organisationen besitzen keine Machthierarchien, kennen keine Organigramme und adaptieren sich eigenständig an die Umwelt.

Eckpunkte dieser neuen Organisationsform finden sich in den Bereichen Selbstmanagement, Ganzheitlichkeit und im evolutionären Zweck. D.h. für den Bereich Selbstmanagement beispielsweise, dass Machthierarchien aufgelöst und durch flexible Hierarchien ersetzen. So kann z.B. jeder kurzfristig Teil des Managements werden. Dadurch wächst der Grad an Verantwortung jedes Einzelnen und Probleme können nicht mehr auf die Führung anderer Kollegen projiziert werden.

Für viele mag dieses Konzept utopisch erscheinen. Woanders ist das hier kurz beschriebene Umdenken längst Wirklichkeit geworden. Denn um Unternehmen weiter zu bringen und Mitarbeiter neu zu motivieren, müssen Führungskräfte nicht nur überlegen welche Technik, Software und weitere Entwicklungen eingesetzt werden sollen, sondern auch überdenken welchen Führungsstil sie in einem solchen modernen Unternehmen einbringen.